Hochzeitsfotograf – Ein Erfahrungsbericht eines Anfängers

Das erste mal Fotograf auf einer Hochzeit: Ein Erfahrungsbericht eines Anfängers

 

Februar 2013 – ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen – ich saß bei stürmenden Regen in meiner kleinen gemütlichen Studentenbude am Laptop vor Fotos, als auf meinem alten iPhone eine Nachricht einging. Eine Nachricht von meinem besten Freund mit der Anfrage, ob ich die Hochzeit seines Bruders fotografieren wollte? Ich lehnte damals ab, eine Entscheidung die ich heute nicht mehr so treffen würde.

Wieso würde ich heute anders entscheiden? Genau darum soll es in diesem Erfahrungsbericht gehen. Als Anfänger – zumindest im Bereich der Hochzeitsfotografie – stellt man sich so oft die Frage „Was muss ich können, um eine Hochzeit zu fotografieren?“, „Was brauche ich an Ausrüstung für den ersten Auftrag?“.  Schnell liest man bereits bei der ersten Recherche nach Tipps so oft viele viele schreckliche Dinge von anderen Fotografen. Was kann nur bei einer Hochzeit doch schiefgehen, dort ist von Klagen und zerbrechenden Freundschaften die Rede. Alles Dinge die einen schnell zweifeln lassen, ob man sich wirklich an dieses so heikel diskutierte Thema ran trauen sollte. Das kennt ihr!? Dann verstehen wir uns ja 🙂

Meine Antwort hierzu lautet dennoch: Ja, man sollte!

Wieso? Dafür machen wir einen kleinen Zeitsprung ins Jahr 2016. Wieder trudelte eine Anfrage ein. Wieder von einem befreundeten Paar. Dieses mal überlegte ich nicht lange, ich sage zu! Ich plante die Fotos, machte meine Arbeit, lieferte die Bilder, bekam positive Rückmeldungen. Das alles ohne große Katastrophen und mit dem positiven Effekt, dass ich bis heute sehr gerne und regelmäßig als Fotograf Trauungen begleite.

Weil ich damals sehr gerne eine inspirierende und Mut machende Übersicht von Dingen, zum lesen gehabt hätte teile ich nun mal ganz offen und ehrlich meine Erfahrungen mit euch. Ich werde euch einfach mal frei heraus beschreiben, wie mein Ablauf, mein typisches Verhalten bei Anfragen, Vorgesprächen oder der tatsächlichen Hochzeit so ist und natürlich wie ich mich vorbereite. So bekommt ihr schon mal erste Tipps & Tricks. Aber gehen wir Schritt für Schritt, nach der Reihe vor.

 

Eine Anfrage kommt rein

Grundlegend für eure Entscheidung, ob ihr die Anfrage annehmt, sollte die Tatsache sein, dass ihr schon mal Menschen fotografiert habt und ein gewisses Auge für schöne Momente habt. Solltet ihr hier noch unsicher sein, kann ich euch sagen, dass auch diese Disziplin reine Übungssache ist. Verabredet euch einfach direkt als Vorbereitung mit befreundeten Paaren und schießt drauf los. Sammelt gerne auch Inspiration für schöne Motive im Internet. Hier gibt es zum Beispiel auf Pinterest zahlreiche tolle Ideen.

Wichtig ist aber, dass ihr eurem eigenen Stil dabei treu bleibt, denn die Anfrage kommt ja auch nicht von ungefähr. Seid ihr noch unsicher sucht im Internet einfach mal nach Checklisten. Diese gibt es dort immer zu finden, übrigens auch bei mir, welche ich euch natürlich an Herz lege. Fühlt ihr euch bereit? Dann sendet dem Paar eine freundliche Antwort mit dem Dank, dass sie so Interessiert an eurer Arbeit sind und macht ein unverbindliches Vorgespräch aus.

Das Vorgespräch

Dieses solltet ihr nach Möglichkeit persönlich führen, sollte das aufgrund einer sehr weiten Entfernung nicht gehen, kann auch ein nettes Telefonat viel Spaß und Aufschluss bringen. Wichtig ist, dass ihr einen Draht zueinander findet, um Vorlieben, Geschmäcker und Wünsche zum Beispiel über die favorisierte Locationwahl beim Paarshooting heraus zu arbeiten. Kleiner Tipp am Rande: Seid hier schon mal auf die ersten Orte in der Umgebung vorbereitet! Paare freuen sich sehr über erste Ideen eurerseits und fühlen sich schnell gut aufgehoben. Bietet Lösungen, auch für Themen wie schlechtes Wetter oder schlechtes Wetter. Tatsächlich sind auch Bilder bei regen möglich, hier ist einfach Kreativität gefragt und die habt ihr ja, wenn ihr es so weit als Fotograf gebracht habt.

Sicher wird hier auch der Preis ein Thema sein. Hier gilt die klare Regel: Seid ehrlich, klar, und erklärt ausführlich eure Leistungen. Denn hier fehlt leider oft noch Verständnis, wie viel Zeit Vorbereitungen und vor allem die Nachbearbeitung der Bilder kostet. Seid selbstbewusst! Kennt hier aber auch eure persönlichen Grenzen und zeigt diese im Zweifelsfall auch ehrlich auf. Gleichzeitig Fotografieren, Filmen und am besten noch eine Drohne fliegen, ist dann doch leider selbst für den professionellsten Profi nicht machbar 🙂 Haltet alles schriftlich fest und lasst es euch abzeichnen. Ein Vertrag bringt für alle Sicherheit. Besprecht auch den genauen Ablaufplan der Hochzeit.

So seid ihr bestens Vorbereitet.

Die Vorbereitung 

Schaut euch die geplanten Locations nach Möglichkeit schon mal persönlich an. Gerade beim Brautpaarshooting ist gute Vorbereitung alles. Meist ist hier wenig Zeit lange rum zu laufen um noch die schönsten Ecken zu suchen. Findet sie vorher. Macht euch eine Checkliste über Momente die ihr nicht verpassen wollt. Alternativ könnt ihr hier auch auf meinen vorangegangenen Beitrag zurückgreifen. Als weitere vorbereitende Maßnahme biete sich ein kleines (Probe-) Shooting mit dem angehenden Ehepaar an. So könnt ich euch schon in den Wochen vor der Hochzeit warm fotografieren. Dieses sollte allerdings separat berechnet werden.

Der Tag vor der Hochzeit

Ganz wichtig, gebt dem Paar nochmal ein Lebenszeichen, dass ihr sie nicht vergessen habt. Das Beruhigt alle Beteiligten schon mal ungemein, da alle aufgeregt sein werden. Ladet eure Akkus, die der Kamera und die eigenen, 😉 putzt nochmal die Linsen der Objektive, druckt den Ablaufplan und die Checklisten und packt schon alle Sachen. Denkt auch an Dinge, die euch erstmal abwegig erscheinen. Ich habe auf Hochzeiten immer ein zweites Hemd im Auto, Fusselroller, Regenschirm, Decke zum drauf setzten beim Shooting, Deo und andere Kleinigkeiten dabei. Diese können Leben retten! Habt ihr Zugriff – gerne auch Leihweise – auf eine Zweitkamera, nehmt sie mit. Ebenso eine zweite Speicherkarte auf die ihr im besten Fall auch parallel schreiben könnt zu empfehlen. Auch Technik kann mal versagen und für manche Momente gibt es keine zweite Chance.

Klar, zu diesem Zeitpunkt kommen immer viele Fragen zur Kameraausrüstung, dem Blitzen und den Einstellung auf. Vorweg: Ich Blitze eigentlich nur in Ausnahmefällen. Selbst fotografiere ich mittlerweile mit einer Canon 5D Mark III, drinnen, also in der Kirche oder im  Standesamt, habe ich meistens ein 24-70mm Standard-Objektiv drauf, für draußen ein 70-200mm Zoom und noch ein paar Festbrennweiten dabei. Hier nutze ich tatsächlich am liebsten die günstigen von Canon (35, 50 und 85mm), welche auch super schöne Ergebnisse liefern! Hier muss nicht zwingend die 2000€ Profilinse drauf. Euer Können mit der Kamera umzugehen ist wichtiger als jedes teure Glas! Glaubt mir! True Story!

Die Hochzeit

Sobald ihr vor Ort auf erste Gäste trefft, stellt euch ruhig vor. Oft wartet hier auch schon der aufgeregte Bräutigam auf seine Zukünftige. Auch die anderen Wartenden sollten zumindest flüchtig erkennen, das ihr für die Fotos zuständig seid. Sprecht euch hier auch gerne mit Trauzeugen ab. Diese können  immer hilfreiche Tipps zum Ablauf geben, welche vielleicht als Überraschungen geplant sind. Auch ein kurzer Small-Talk mit dem Standesbeamten oder dem Pfarrer bringt zum einen viele Erkenntnisse über die Location, außerdem könnt ihr euer Vorgehen abstimmen.

Versucht vertraute/nahstehende Personen und Familienmitglieder zu erkennen und widmet euch diesen fotografisch. Verpasst nicht den Moment, wenn das Paar sich zum ersten Mal sieht. Das liefert traumhaft schöne Momentaufnahmen und Emotionen. Arbeitet ansonsten fleißig eure Foto Checkliste ab. Vor, während und nach der Trauung. Ein gutes Motiv um Emotionen zu transportieren sind auch immer Dinge am Rand einer Hochzeit und vor allem auch Kinder. Diese sind immer Garant für viel Leben in eurer Geschichte.

Bewegt euch behutsam und leise während der Trauung, fallt so wenig wie möglich auf, nutzt den Silent-Mode eurer Kamera und schaltet den Piep-Ton aus. Taucht auch mal in den Hintergrund ab. So entstehen schöne natürliche Aufnahmen.

Achtet bei den anschließenden Gruppenfotos darauf, dass alle zu euch schauen. Holt euch Hilfe von jemandem aus der Gruppe, der die meisten kennt und persönlich ansprechen kann. So fällt das sortieren leichter und man reißt nicht aus versehen zusammengehörende Pärchen auseinander. Arbeitet wenn möglich leicht erhöht. Bei mir gilt immer der Grundsatz. Wer von seiner Position den Fotografen gut sehen kann, der wird auch später auf dem Gruppenbild zu sehen sein. Das ist für alle sehr leicht verständlich und funktioniert tatsächlich.

Das Paarshooting

Schafft eine möglichst entspannte Atmosphäre und geht die ganze Sache locker an. Wenn das Paar gerne Unterstützung hätte, lasst ruhig ein bis zwei Trauzeugen mitkommen. Viel mehr Leute sollten euch allerdings nicht begleiten, das lenkt nur ab. Startet mit ein paar einfachen Posen, bei denen ihr noch leicht Hilfestellung geben könnt. Viele Paare stehen in dieser Situation das erste Mal in ihrem Leben so richtig vor der Kamera. Gebt ihnen Rückmeldung, zeigt erste Bilder und werdet warm miteinander.

Vertrauen führt zu Natürlichkeit und umgekehrt. Ist dieser Einstieg geschafft, lasst das Paar sich frei entfalten, geht gerne auch mal weiter weg, um natürliche Momente zu erzeugen. Arbeitet mit der Umgebung, den Bedingungen. Fehlen mal kurz Ideen, packt die Checkliste aus 😉

Die Feier

Denkt daran, früh genug an der Location zu sein, um hier noch alles vor Eintreffen der Gäste zu Dokumentieren. In der Gestaltung der Dekoration steckt oft viel Liebe und Persönlichkeit. Das solltet ihr festhalten.

Ist die Feier in gange, bewegt euch auch hier wieder unauffällig und seid stets bereit die wichtigsten Augenblicke festzuhalten. Ankunft, Gratulationen, Hochzeitstorte und der Tanz sollten nicht fehlen. Der Hochzeitstanz ist übrigens der einzige Fall in dem ich einen Blitz empfehlen kann. Hier ist es oft schon dunkel und durch die Bewegung ist er meist unumgänglich. Aber schaltet ihn auch mal für kleine Momente aus, wenn ihr experimentierfreudig seid 😉

Neigt sich der Abend dem Ende zu klärt nochmal mit dem Hochzeitspaar ob ihr gehen könnt. Oft wurde ich hier schon spontan für zwei weitere Stunden gebucht. Sollte sich dies nicht ergeben, genießt euren wohl verdienten Feierabend.

 

Feierabend…

..ein gutes Stichwort, um hier alles nochmal kurz Revue passieren zu lassen.. 🙂 Ihr habt nun Step by Step lesen können, wie ich Hochzeiten begleite. Planung, das führen von Vorgesprächen, wichtige Tipps, Checklisten, Abläufe und den Umgang mit Kunden. Zusammenfassend lässt sich aus meiner Sicht sagen: Bereitet euch gut vor. Eine Hochzeit ist ein sehr wichtiges Thema. Seid euch eurem Können bewusst, geht organisiert, kreativ und selbstbewusst vor und dann ist alles halb so wild, oder? Was meint ihr? Würdet ihr euch nun zutrauen auch eine Hochzeit zu fotografieren? Könnt ihr nun nachvollziehen, weshalb ich heute anders entscheiden würde? Ich hoffe Ja! ..und ich hoffe ihr konntet was lernen.

 

Damit ihr direkt mit Starthilfe loslegen könnt, ladet euch gerne meine beiden Checklisten herunter! Sie werden euch den ersten Einstieg sehr erleichtern.

 Die-Hochzeitsfoto-Checkliste    —   Die-Hochzeitsfoto-Packliste

 

Neugierig auf meine ersten Ergebnisse? Schaut euch gerne auch den kurzen Bericht und die Bilder zur ersten Hochzeit an! Weitere Reportagen rund um Hochzeiten in und um Gießen werden folgen 🙂

 

Hochzeit Laura und Basti Paarshooting

2 Antworten auf „Hochzeitsfotograf – Ein Erfahrungsbericht eines Anfängers“

  1. Sehr hilfreich vielen Dank für die Einblicke. Ich werde auch bald meine Erste Hochzeit in Gießen als Fotograf begleiten 🙂 Die Checkliste packe ich ein!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.